Chronik

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Anfang der 90er Jahre erlebte das Land Berlin einen sprunghaften Anstieg der Anzahl wohnungsloser Menschen. Nach Schätzungen der freien Wohlfahrtsverbände gab es in diesen Jahren etwa 20.000 wohnungslose Menschen in Berlin. Diese Situation überforderte die Sozialstruktur Berlins derart, dass mehrere tausend wohnungslose Personen ohne "persönliche Hilfe" in sog. "Läusepensionen" mit 4- bzw. 6 - Bettzimmern untergebracht wurden. In der "kalten Jahreszeit" wurde von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales und diversen Kirchengemeinden zusätzlich eine sog. "Kältehilfe" eingerichtet, die Betten in niedrigschwelligen Notübernachtungen vorhielten, um dem "Kältetod" obdachloser Menschen entgegenzuwirken.

In diesem Umfeld gründeten am 01.08.1993 die Herren Lothar Fiedler (Diplom-Sozialpädagoge), Thomas Kurzbach-Otto (Diplom-Sozialpädagoge) und Carsten Schindler (Erzieher) ad hoc eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), um eine Immobilie in der Grabbeallee 63 in Berlin-Pankow zum Zwecke der „Unterbringung und der sozialpädagogischen Betreuung von wohnungslosen Menschen“ anzumieten. Zielsetzung war es, wohnungslosen Menschen ein niedrigschwelliges, aber qualitatives gutes Hilfeangebot zugänglich zu machen. Zwei der Gesellschafter waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren in der Wohnungslosenhilfe tätig und verfolgten die Absicht, ihre Visionen einer bedarfsorientiert abgestuften und modernen sozialarbeiterischen Angebotspalette kleiner, aber effizienter Hilfeeinrichtungen für Wohnungslose (max. 30 Plätze) umzusetzen.

Nachdem Ende 1993 einer der Gesellschafter unerwartet verstorben war, wurde in einer Gründungsversammlung am 7. Juli 1994 von den verbliebenen GbR- Gesellschaftern, Lothar Fiedler und Thomas Kurzbach-Otto, die GEBEWO (damals: gemeinnützige Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser mbH) als Rechtsnachfolgerin gegründet und am 6. Februar 1995 in das Handelsregister eingetragen. Als Firmensitz wurde der Sitz des sozialpädagogisch betreuten Wohnheims "Haus Grabbeallee" in der Grabbeallee 63 in Berlin-Pankow festgelegt. Das "Haus Grabbeallee" (24 Plätze) wurde im Frühjahr 1995 mit Kreditmitteln der Bank für Sozialwirtschaft (BfS) saniert und um- bzw. ausgebaut.

Am 23. Mai 1995 wurde zwischen der GEBEWO und dem Land Berlin eine Leistungs- und Entgeltvereinbarung gemäß § 93 i. V. m. § 67 BSHG abgeschlossen. Am 11. Juli 1995 wurde vom Finanzamt für Körperschaften die Gemeinnützigkeit der GE BE WO festgestellt.

Hr. Dipl. Soz. Päd. Lothar Fiedler wurde in der Gründungsversammlung von den Gesellschaftern zum Geschäftsführer der GE BE WO gGmbH berufen. Ihm oblag es in der Folgezeit qualifiziertes Personal zu finden und einzustellen, und Rahmenbedingungen zu schaffen, die professionelles Arbeiten, Bedarfsorientiertheit und Wirtschaftlichkeit sinnvoll miteinander verbindet.

Das "Haus Grabbeallee" wurde bereits ab 1995 innerhalb der sozialen Hilfelandschaft  als qualitativ hochwertige Hilfeeinrichtung wahrgenommen. Aktive Zusammenarbeit mit Bezirksämtern und Trägern der freien Wohlfahrtspflege, Netzwerk- und Gremienarbeit, erkennbare Bedarfsorientierung der Angebote und Strukturen, schnelle Entscheidungswege und eine schlanke Verwaltung machten die Einrichtung zum verlässlichen Partner innerhalb der sozialen Wohnungslosenhilfelandschaft.

Bereits Anfang 1995 konnte aufgrund einschlägiger Erfahrungen und mit Hilfe von Einzelvereinbarungen mit Bezirksämtern ehemalige Wohnheimbewohner ambulant "nachbetreut" werden.

Anfang 1998 wurde die Trägerschaft der ganzjährig geöffneten "Notübernachtung Epiphanien" (8 Plätze) für Männer, die bis dahin in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Epiphanien und in fachlicher Begleitung der Evangelischen Fachhochschule Berlin (EVFH; damals EFB) war, übernommen. Im Vorfeld dieser Trägerschaft standen enge fachliche Beziehungen mit der EVFH und reichhaltig vorhandene Erfahrungen mit der Arbeit der "Kältehilfe". Die Notübernachtung konnte das Hilfeangebot der GEBEWO im Rahmen einer mehrstufigen Angebotspalette sinnvoll ergänzen.

Mit der anstehenden Übernahme der Notübernachtung und der daraus folgenden Erweiterung der geschäftlichen Tätigkeit erschien der Geschäftsführung Ende 1997 der Beitritt zu einem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege sinnvoll. Aufgrund des engen Zusammenwirkens mit der Evangelischen Fachhochschule bezüglich der Notübernachtung und aufgrund guter, kooperativer Erfahrungen mit Einrichtungen des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg (z. B. Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose, Krankenwohnung usw.), sowie einer weitreichenden, fachlich fundierten Präsenz innerhalb der Berliner Wohnungslosenhilfe fiel die Wahl auf das Diakonische Berlin- Brandenburg e. V. (DWBB). Anfang 1998 wurde die GEBEWO daher Mitglied im DWBB.

Im April 1999 wurde aufgrund der erweiterten Geschäftsbereiche ein weiterer Geschäftsführer, Herr Robert Veltmann von der Gesellschaft angestellt, der zuvor bereits seit Anfang 1994 als Sozialarbeiter im "Haus Grabbeallee" angestellt und von Anfang an in der Projektentwicklung und -organisation innerhalb der GEBEWO gGmbH aktiv eingebunden war.

Aufgrund sehr positiver praktischer Erfahrungen mit der sog. ambulanten „Nachbetreuung“ (s. o.), wurde ab Mitte 1999 das Konzept der ambulanten Hilfe von der Geschäftsführung modifiziert und erweitert. Das aufsuchende sozialarbeiterische Nachbetreuungsangebot für ehemals wohnungslose Personen wurde aus dem "Haus Grabbeallee" ausgegliedert. Neben der Nachsorge sollte die Prävention von Wohnungsverlust eine zentrale Zielsetzung sein. Die Geschäftsführung konnte hierfür neue Kooperationsvereinbarungen aushandeln und umsetzen, so dass ab 01.7.1999 die Angebotspalette mit den „Ambulanten Diensten“ in Pankow sinnvoll ergänzt werden konnte.

Einschlägige Erfahrungen mit der Betreuung von chronisch suchtkranken wohnungslosen Männern im "Haus Grabbeallee" und deren überwiegend schlechten Perspektiven, führten ebenfalls 1998 dazu, das vorhandene Hilfesystem hinsichtlich vorhandener Versorgungslücken zu analysieren und weitergehende Hilfeansätze für therapieresistente Suchtabhängige mit Suchtfolgeerkrankungen zu entwickeln. Am 01.08.1999 konnte die GEBEWO gGmbH nach zähen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden und dem vorfinanzierenden Kreditinstitut eine Einrichtung gemäß § 39 i. V. m. § 93 BSHG, das "Haus Langhans" (15 Plätze) eröffnen.

Da die GEBEWO zwischenzeitlich nun nicht mehr "nur" wohnungslose Personen untergebracht und betreut hat, wurde Mitte 1999 der Name "Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser und sozial Schwacher" sowie der Gesellschaftszweck entsprechend ergänzt.
Eine drückende Nachfrage nach Plätzen im "Haus Langhans" veranlasste die Geschäftsführung zu Anfang des Jahres 2000 dazu, eine zweite stationäre Einrichtung für chronisch suchtkranke wohnungslose Männer in die Planung aufzunehmen. Bereits im März 2001 konnte ein weiteres Heim gemäß § 39 i. V. m. § 93 BSHG, das "Haus Schöneweide" (21 Plätze) in Betrieb genommen werden.

Die "Notübernachtung Epiphanien" wird im Dezember 2003 in Rücksprache mit der Senatsverwaltung für Soziales geschlossen. Stattdessen wird am 10.12.2003 die ganzjährig geöffnete "Notübernachtung für Frauen" in Berlin- Mitte eröffnet.

Die stationären Hilfen gemäß § 39 BSHG für chronisch suchtkranke, wohnungslose Männer (Haus Langhans & Haus Schöneweide) werden kontinuierlich so stark nachgefragt, dass die 21 Plätze im "Haus Schöneweide" ab Februar 2004 um weitere 9 Plätze in nahe liegenden Außenwohnungen aufgestockt werden.

Im November 2004 wurde die "GEBEWO pro" gGmbH als 100%ige- Tochter der GEBEWO gGmbH gegründet. Die GEBEWO pro übernimmt Ende 2004 die Trägerschaft für den "Seeling Treff", eine Tagesstätte für wohnungslose Menschen in Berlin- Charlottenburg.

Der Brückeladen, Kontakt- und Beschäftigungsladen, wurde am 1. Dezember 2004 für mittellose, suchtkranke und ehemals wohnungslosen oder von der Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen eröffnet. In dem Laden in Schöneweide können Menschen gemeinsam, in einem alkoholfreien Rahmen kreativ tätig werden.

Ab 01.01.2005 wird die 4. Stufe der sog. "Hartz- Reformen" wirksam. Das seit 1962 gültige Bundessozialhilfegesetz (BSHG) wird durch das "Zwölfte Sozialgesetzbuch (SGB XII)" abgelöst. Die bisherige "Arbeitslosenhilfe" wird im Rahmen des "Zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II)" zum sog. "Arbeitslosengeld II".

Im Januar 2005 hat die GEBEWO die Trägerschaft des Wohnprojektes Luise übernommen und damit ihren ersten Standort in Brandenburg eröffnet. Im Wohnprojekt Luise in der Stadt Fürstenwalde werden seit 2006 sowohl stationäre als auch ambulante Hilfen für wohnungslose Personen angeboten.

Im Oktober 2005 hat die GEBEWO - Soziale Dienste -  gGmbH das "Tangersdorfer Feriencamp" mit 88 Plätzen für Kinder, Jugendliche und Familien in der Uckermark erworben und ab Frühjahr 2006 in Betrieb genommen.

Ab dem 01.02.2006 wurde die GEBEWO gGmbH umbenannt. Sie führt seitdem den Namen "GEBEWO - Soziale Dienste -" gGmbH.

Im Februar 2006 wurde eine "Therapeutische Wohngemeinschaft Langhans 41 (TWG)" mit 5 Plätzen als Ergänzung zum "Haus Langhans" in Berlin- Weißensee eröffnet.

Aufgrund der Nachfrage nach betreuten Unterkunftsplätzen für obdachlose Frauen stellt die GEBEWO - Soziale Dienste - ab Mai 2006 vier Plätze in einem "Betreuten Gruppenwohnen" (BGW) zur Verfügung gestellt.

Die Arbeitsmarktgesetze (sog. Hartz- Reformen) bieten langzeitarbeitslosen Menschen über Maßnahmen mit Aufwandsentschädigung (MAE) die Möglichkeit vorhandene berufliche Fähigkeiten zu trainieren und weiterzuentwickeln. Im Sommer 2006 schafft die GEBEWO im „Wohnprojekt Luise“ und im April 2007 im Erstaufnahmeheim „Die Teupe“ die ersten „MAE“- Beschäftigungsprojekte mit jeweils sechs Teilnehmer/-innen.

Im Sommer 2007 beginnt das Projekt „Reichtum 2“ im „Haus Schöneweide“. Die Konzeptkünstlerin Miriam Kilali verfolgt zum 2. Mal die Idee das „schönste Obdachlosenheim“ der Welt zu gestalten. Das Kunstprojekt wird mit Unterstützung der Diakonie und ausschließlich mit Spenden finanziert, die Umsetzung zieht sich unerwartet bis Anfang 2009 hin.

Es zeigt sich, dass es einen dringenden Bedarf unterhalb der Hilfen gemäß § 67 SGB XII für obdachlose Frauen gibt. Die GEBEWO - Soziale Dienste - mietet daher weitere Flächen in Berlin- Mitte an, und eröffnet im März 2008 die Einrichtung „FrauenbeDacht“, eine Unterkunft mit Beratungsmöglichkeiten für obdachlose Frauen.

Im Juni 2008 wird die „GEBEWO pro“ gGmbH vom JobCenter und vom Bezirksamt Charlottenburg- Wilmersdorf beauftragt, das Projekt „Die Forckenbecker“ als MAE- Beschäftigungsprojekt mit Kleiderkammer und Möbellager zu übernehmen.

Ab Sommer 2008 werden die Arbeitsbereiche der GEBEWO – Soziale Dienste – neu untergliedert, unter die Überschriften „Wohnungslosenhilfe“ -  „Suchtkrankenhilfe“ - „Hilfen für Frauen“ - „Jugendhilfe“ und „Beschäftigung“.

Im März 2009 geht das soziale Möbellager „Fairplay“ als weiteres MAE- Beschäftigungsprojekt in Berlin- Neukölln an den Start. Der Bereich Beschäftigung soll ab 2009 mit noch größeren Anstrengungen ausgebaut werden, um die vorhandenen Wohnhilfen sinnvoll zu ergänzen.

Am 15 Juli 2009 feiert die GEBEWO – Soziale Dienste – gGmbH ihr 15 jähriges Bestehen. In diesen ersten 15 Jahren konnten zahlreiche und wichtige Schritte zur Entwicklung eines sinnvoll abgestuften Hilfesystems von der ambulanten Prävention, über Notübernachtungsplätze, Plätze im betreuten Übergangswohnen bis hin zur Nachsorge bzw. zur Beheimatung ergänzt mit Beschäftigungsmaßnahmen umsetzen und sinnvoll miteinander vernetzen.

Am 03. Oktober 2009 führt die GEBEWO – Soziale Dienste – zusammen mit dem DWBO erstmalig den „Berliner Integrationslauf“ in Neuköln durch.

Anfang Januar 2010, die Außentemperaturen bewegen sich zwischen minus 10 bis – 20 Grad Celsius, stellen verantwortliche Vertreter/-innen des Landes Berlin, der Wohlfahrtsverbände und einiger Wohnungslosenhilfeträger, so auch der GEBEWO, zusammen fest, dass die Einrichtungen der „Berliner Kältehilfe“ die Nachfrage obdachloser Personen seit Weihnachten nicht mehr decken kann. Es wird kurzfristig entschieden, zusätzliche Übernachtungsplätze zu schaffen. Am 18.01.2010 eröffnet die GEBEWO – Soziale Dienste – die Notübernachtung Pumpwerk in Berlin- Friedrichshain. Diese wird mit 30 Plätzen bis zum 31.03.2010 geführt.

Am 23. April 2010 wird die gemeinnützige GEBEWO – Soziale Dienste – Brandenburg als 100 %-tige Tochter gegründet und die GEBEWO – Soziale Dienste – gGmbH in GEBEWO – Soziale Dienste - Berlin umbenannt. In der GEBEWO – Soziale Dienste – Brandenburg GmbH sollen ab 2011 alle Brandenburg Einrichtungen und Dienste zuammengefasst werden.

Die Entwicklungen in der sogenannten „Masaratiaffäre“ führen im Mai 2010 dazu, dass das Diakonische Werk- Berlin- Brandenburg schlesische Oberlausitz e. V. (DWBO) ein gemeinnütziges Unternehmen namens Neue Chance Berlin gGmbH zunächst als Auffanggesellschaft gründet. In den Folgemonaten werden bei der „Neuen Chance“ mehr als 30 Mitarbeiter/-innen eingestellt, die sich zuvor entschlossen haben, ihren durch die Affäre hoffnungslos in Verruf geratenen Arbeitgeber zu verlassen. Im September 2010 übernimmt die GEBEWO – Soziale Dienste – Berlin gGmbH alle Gesellschaftsanteile der Neuen Chance Berlin gGmbH vom DWBO.